SBB bietet seit Längerem die an und für sich innovative Möglichkeit, nach Abfrage der Fahrplanverbindungen mit Klick auf "Preis/Kauf" gleich online ein Ticket kaufen zu können. Nach Registration im Online Shop und Hinterlegung von Kreditkarteninformationen kann ein PDF-Ticket herunter geladen und anschliessend ausgedruckt werden. Das System funktioniert gut, ich habe das über die letzten Jahre dutzende Male gebraucht, dabei jedoch auch einiges erlebt. Wie bei allen guten Online Lösungen bietet sich hier der Vorteil, 24/24 Tickets kaufen und selbst drucken zu können. Kein Anstehen, kein Warten, man kann das Ticket kaufen wann es einem passt. Doch ist alles nur gut? Mein Fazit: Ich nutze keine Online Tickets mehr.
Negativpunkt: Das A4-Format ist mühsam. Löst man 4 Billete, schleppt man einen Haufen Papier mit und braucht hierfür schon fast ein Mäppchen und sucht mühsam nach dem richtigen Ticket. In den dicht gefüllten Zügen mühsam.
Negativpunkt: Abfertigung durch den Kondukteur: Dauert länger als mit normalen Billet: Er muss es scannen, beim Halbtax Vorder- und Rückseite sehen - und ganz toll, es wird dann doch noch analog abgeknipst.
Negativpunkt: Unflexibel. Keine Rückerstattung. Am Bahnschalter verweisen Sie auf die Hotline. Das kann es wohl nicht sein. Mein Webbrowser hat nett mit Autoausfüllen statt 19 die Zahl 18 komplettiert, und voilà, man hat ein unbrauchbares Ticket gekauft, keine Rückerstattung! Wenn der Kunde schon selbst Schalterdienst für die SBB macht, dann erwarte ich doch, dass ich im Problemfall auch am nächsten Bahnhof (wo ich sowieso den Zug mit dem Online Ticket nehme) am Schalter bedient werden kann.
Negativpunkt: Am automatischen Billetschalter am Bahnhof kostete es mich heute morgen lediglich 50s (!) um ein Ticket zu kaufen. Ok, es war keine exotische Destination, aber Bezahlung mit Postcard und Ausdruck. Online dauert mit Drucken alleine schon länger.
Quo Vadis, Online Ticket?
Der Versuch das Online Ticket mit einer MMS-Variante zu ergänzen, finde ich gut. Ein Handy hat jeder. Doch leider ist das MMS Ticket nur für wenige Destinationen verfügbar. Und auch hier: Falsch gekauft, keine Change auf Rückerstattung.
Papierlos: Mein Versuch, auf dem Nokia E90 ein PDF-Online-Ticket zu öffnen und dem Kondukteur zum Scanning ab Bildschirm vorzunehmen, wurde zwar mit grossen Augen zur Kenntnis genommen, es führte dann aber doch kein Weg am Papier vorbei.
Es scheint, als ob das Online Ticket von der Zeit eingeholt wird. Die Online Lösung ist gut, einfach zu benutzen, aber der Medienbruch mit dem Druck auf A4 sowie der Nachteil beim Service machen diese Vorteile m.E. in den meisten Fällen wieder wett. Bahnfahren ist eben doch eine höchstpersönliche und nicht vollständig virtuell abwickelbare Sache. Ganz toll wäre, wenn ein System analog z.B. auf den französischen Autobahnen (Télépéage) eingerichtet werden würde: Ausgestattet mit einer speziellen Einheit auf dem Halbtax registriert die SBB, wann ich einen Zug besteige, und wann verlasse. Abrechnung über hinterlegte Kreditkarte. ;-)
Kommentar von Hilar am 19.8.2008: Für mich funktioniert das System soweit OK. Im Intranet Formular ausfüllen und nach ein paar Minuten oder Stunden hat das Backoffice das Ticket mir zugesendet und ich kann es ausdrucken und gleich in die Notebook Tasche stecken für den nächsten Tag. Normale Drucker haben halt A4 in deren Schächten :-). Warum der Kondukteur den Namen auf dem Halbtax überprüfen möchte, das kann ich auch nicht ganz nachvollziehen. Immerhin: dass dies noch nicht das Ende der Fahnenstange gewesen sein kann, liegt immerhin im Interesse vieler - ich bin zuversichtlich! :-)
Kommentar von Andreas Hobi am 20.8.2008: Naja, die Online-Tickets sind (mit entsprechendem Wissen) leicht fälsch- oder kopierbar. Deshalb müssen wir immer auch den Namen überprüfen. :)
Ich bin auch der Meinung, dass dies noch nicht die finale Version ist. Eine Überarbeitung wird da bestimmt noch kommen.
Kommentar von Hilar am 20.8.2008: Hm, OK. Hätte erwartet dass jene Grafik eindeutig ist und durch das Scannen auch verifiziert wird? Oder aber liegt genau hier etwa das Problem sprich sind diese Muster leicht manipulier- und zugleich schlecht prüfbar...?
Kommentar von admin am 8.9.2008: So es geht doch anders: Frankreich startet mit Weneo ID - einem USB Stick der mit einem Webaccount der frz. Bahn "verknüpft" ist, dort lädt man Guthaben auf, das Guthaben wird dann am Eingang bei entsprechenden Bahnstationen per RFID abgebucht bzw. vom Schaffner im Zug abgebucht. Mehr Details hier: [URL] . Wie es dann jedoch vor sich geht wenn man Marseille-Paris fährt und der Schaffner erst in Lyon kommt (sprich wird die ganze Strecke oder nur was man sagt abgebucht...) oder mit den obligatorischen TGV-Reservationen, das wird sich zeigen...
Kommentar von Peter am 12.1.2009: Ich würde ja gerne online-tickets nutzen, die SBB schafft es aber nicht, mir das MMS auf das iPhone zu senden (2G mit Swirly-MMS) MMS scheint nicht einfach MMS zu sein, auch andere Handys werden nicht unterstützt.